Chronik 1913-1985

1913-1945 Der Anfang

Es begann damit, dass sich im Jahre 1911 oder 1912 einige musikbegeisterte Kirchheimer zusammentaten. Unter ihnen war Ernst Friedrich, ein aus einer alteingesessenen Familie stammender junge Mann, der ein Inserat in die Zeitung setzte.
Interessierte Musiker trafen sich im “ Gasthaus zur Sonne “ und beschlossen, baldmöglichst Instrumente zu beschaffen. So fuhr man eines Tages nach Stuttgart und es wurden im Musikhaus Bart folgende Blasinstrumente gekauft:

 Paul Belschner Es-Trompete
Christian Eppler Trompete
Ernst Friedrich Trompete
Karl Heilemann Trompete
Karl Langjahr 2. Tenorhorn
Wilhelm Lutz Baß
Hermann Riecke 1. Tenorhorn
Wilhelm Weingärtner B-Klarinette

Auf der Heimfahrt wurde sogleich im Zug auf den neuerworbenen Instrumenten musiziert. Angelockt von der Musik kam ein junger Mann ins Abteil, der den Männern interessiert zuhörte. Es war Wilhelm Bühler, ein begeisterter Musiker, der bald seinen Wohnsitz nach Kirchheim verlegte. Wegen seines ausgezeichneten Trompetenspiels wurde er “ Trompeter von Säckingen” genannt. Er war auch die Triebfeder zu regelmäßigen Übungsabenden.

Zunächst fanden die Proben in privaten Räumen statt, später im “Türmle” in der Rathausstraße, in dessen ersten Stock das Ortsarrestzimmer untergebracht war. Zweimal wöchentlich wurde fleißig geprobt und die Freude war groß, als nach Wochen und Monaten der “Petersburger Marsch” gespielt werden konnte. Er heißt bei uns heute noch der “Gründungsmarsch”.

Wilhelm Bühler führte den Dirigentenstab, als man sich an den ersten Ausmarsch wagte. Erstmal klang der “Petersburger” durch Kirchheims Straßen und alles, was Beine hatte, rannte, um die Ausziehenden zu sehen. Man marschierte nach Hofen, wo die Musikanten freudig empfangen wurden. Aufregung herrschte auch auf dem Heimweg durch Hohenstein, denn der “Petersburger” lockte die Menschen aus den Wohnungen. Im Jahre 1913 führte die Musikkapelle einen Faschingsumzug mit einigen Bildern aus dem Ortsgeschehen durch.

Im gleichen Jahr, als die Nachbarvereine Bönnigheim, Gemmrigheim, Meimsheim und Neckarwestheim ihre Gründung Bekanntgaben, war man auch in Kirchheim dazu bereit.

Leider liegt von der Gründungsversammlung kein Protokoll mehr vor, doch die Niederschrift der Generalversammlung des “Musikverein Harmonie” vom 11.Januar 1914 zeigte deutlich, welche Männer den frisch gegründeten Verein geführt haben.

Vorstand war Wilhelm Lutz, dessen Stellvertreter Wilhelm Schneider. Kassier war Ernst Friedrich und zweiter Kassier Karl Lutz. Als Stellvertreter des gerade verhinderten Schriftführers Paul Belschner wurde Christian Eppler gewählt. Zu Kassenrevisoren wurden Gottlob Rosenberger und Albert Vetter ernannt. Instrumentenverwalter war Karl Langjahr und das Amt des Vereinsdiener nahm laut Protokoll der Generalversammlung Paul Eppler freiwillig an.

Zum Stiftungsfest des Musikvereins Harmonie Kirchheim, das am 24. Mai 1914 im Gasthaus “Zur Sonne” abgehalten wurde, erschienen die Musikkapellen von Bönnigheim und Mundelsheim. Die Festrede hielt Oberlehrer Grünenwald und die Feststimmung steigerte sich unter den Klängen der Kapellen sehr rasch, so dass das erste Musikfest in der Gemeinde Kirchheim einen würdigen Ausklang fand.

Durch den 1. Weltkrieg wurde die Aufbauarbeit gestoppt, denn viele Musiker wurden “zur Fahne gerufen” und das geliebte Instrument musste zur Seite gelegt werden.

Am 23.Februar 1919 trafen sich die Heimkehrer wieder, um erneut das Musizieren zu beginnen. Auch kamen einige junge Kräfte dazu, so unter anderen Eugen Weingärtner, Gustav Weingärtner, Hermann Eppler, Otto Rudel, Hermann Scheying, Bernhard Klesper, Eugen Beck, Fritz Seyffer, Friedrich Lutz, Friedrich Röser, Emil Kälble, Eugen Beck, Karl Bahm, Friedrich Eisenmann, Karl Schneider, Karl Munz, Robert Hartmann, Karl Friedrich, Karl Rembold, Karl Altmann, Wilhelm Rosenberger und Wilhelm Lormann.

Viel war nachzuholen und es wurden zwei Proben pro Woche angesetzt. Wie ernst es zur Sache ging, geht aus der Niederschrift vom 23.Februar 1919 hervor: > Wer nicht erscheint, hat 25 Pfennig zu bezahlen, welche der Dirigent bekam.<

Im Jahr 1920 wurde Karl Lutz zum Vorstand des Vereins gewählt. Im darauf folgenden Jahr nahm Ludwig Bihr aus Böckingen, der langjähriger Dirigent und Ehrendirigent, erstmals seine jahrzehntelange Tätigkeit im Verein auf.

In diesen Aufbaujahren wurden folgende Mitglieder neu aufgenommen: Julius Schweinle, Christian Langjahr, Ernst Belschner, Emil Ullmann, Hermann Rudel, Ludwig Geist, Edmund Schrein, Paul Langjahr, Fritz Aisenpreis, Johann Henner, Gottlob Trefs, Christian Belschner und August Zierle.

Bezeichnend für die damalige Zeit war die Inflation, die auch in den Büchern des Musikvereins ihre Spuren hinterließ. Im Protokoll der Ausschusssitzung vom 26.Dezember 1923 war zu lesen, dass der Monatsbeitrag auf 500 Millionen Mark festgesetzt wurde, da die Kasse erschöpft war.

Dennoch ging das Vereinsleben weiter. Faschingsbälle, Sommerfeste und Weihnachtsfeiern mit Theaterstücken wurden alljährlich veranstaltet.

Der verstorbene Ehrenvorsitzende der Blasmusik, Friedrich Herre, führte in der Versammlung am 29.Januar 1927 das Protokoll. Er konnte von dem erfreulichen Kassenstand von RM 529,12 berichten.

In dieser Versammlung wurde Hermann Eppler zum Vorsitzenden gewählt.

In den Jahren 1927-1929, als auch Deutschland in der Weltwirtschaftskrise steckte, hatte der Verein schwer um sein Überleben zu kämpfen. Eine weitere Gruppe von Musiker hatte sich gebildet, so dass plötzlich zwei Musikvereine in der kleinen Gemeinde existierten.

So drohte sogar das Ende der Kirchheimer Blasmusik.

In langwierigen Verhandlungen wurde jedoch erreicht, dass die neue Gruppe mit ihrem Dirigenten und sämtlichen Instrumenten übernommen wurde. Am 7.September1929 wurde die Übernahme vollzogen und von da an war die “ Harmonie “ gesichert.

Am 14. und 15.Juni 1930 fand die Fahnenweihe statt. Von der Fahnenfabrik Junkers in Stuttgart kaufte sich der Verein eine schöne Fahne, auf der neben dem Vereinsnamen “Musikverein Harmonie Kirchheim a.N. auch das Gemeindewappen eingestickt ist. Der Kaufpreis von 650 Reichsmark war für damalige Verhältnisse sehr hoch.

Das 1. Vereinsjubiläum

Das 25jährige Vereinsjubiläum beging der Musikverein Harmonie etwas verspätet am 3.Juni und 4.Juni 1939. Die Presse schrieb darüber. Am Sonntag feierte der hiesige Musikverein “ Harmonie “, begünstigt von herrlichem Wetter, das Fest seines 25jährigen Bestehens. Den Auftakt hierzu bildete das Festbankett am Samstagabend auf dem Festplatz bei der Turnhalle bei dem der Musikverein Kirchheim und sein Patenverein, die Feuerwehrkapelle Besigheim unter Leitung ihres bewährten Dirigenten, Musikdirektor Schelling, abwechslungsweise eine reichhaltige Darbietungsfolge zu Gehör brachten. Vereinsführer Bernhard Klesper, sowie der stellvertretende Bürgermeister begrüßten den Patenverein, sowie die Gönner und Freunde der Musik mit herzlichen Worten. Oberlehrer Grünenwald gab einen Überblick über das Vereinsleben, wobei auch der im Weltkrieg gefallenen Vereinsmitglieder gedacht wurde.

Erstmals konnten Mitglieder zu Ehrenmitglieder ernannt werden: Bernhard Klepser, Karl Klepser, Karl Lutz, Fritz Schönhut, August Zierle, Wilhelm Lutz, und Ernst Friedrich. Unter Leitung von Dirigent Bihr spielten alle anwesenden Musikkapellen den ergreifenden Marsch “ Alte Kameraden “ von Teike.Dies war vor dem Zweiten Weltkrieg der letzte Höhepunkt im Vereinsleben, denn in den folgenden Kriegsjahren und im ersten Nachkriegsjahr kam es völlig zum Erliegen.

 

1946-1962 Der Wiederbeginn nach dem Zweiten Weltkrieg

Eine neue Ära begann 1946,als der damalige Bürgermeister, Karl Weiß, zum Wegbereiter des “ Kultur und Sportverein” Kirchheim wurde. Die Musiker des früheren Musikverein “ Harmonie “ fanden in der Abteilung Blasmusik wieder zusammen, jedoch wurden einige bewährte Mitglieder vermisst. Aus den Reihen der Heimatvertriebenen kamen sehr gute Musiker dazu. In der Not der Nachkriegszeit musste die Abteilung schwer kämpfen, denn es fehlte sowohl an Geld und Instrumenten als auch oftmals am Glauben an die Zukunft.

Es kostete viel Mühe und Schweiß, bis wieder eine Kapelle beisammen war, die am ersten Bezirksmusikfest nach dem Zweiten Weltkrieg teilnehmen konnte. Die Kirchheimer Kapelle unter von Ludwig Bihr errang in der Unterstufe mit den Jubelklängen den Pokal.

Von der Existenz der Blasmusiker berichten das Protokoll erstmals im Januar 1948 wieder: “ Mit der Vereinsleitung wurde wieder Karl Lutz betraut. Kassier ist Adolf Spahr, Schriftführer Bernhard Nollenberger und Kassenrevisoren sind Otto Rudel und Karl Beck.

Es folgten Jahre des Aufbaus unter Karl Lutz und ab 1951 unter der Vorstandschaft des leider schon in jungen Jahren verstorbenen Emil Hartmann.

Am 21.und 22.Juni 1952 wurde das 40jährige Bestehen gefeiert. Viele Nachbarvereine zeigten durch ihre Teilnahme die Verbundenheit mit dem Jubiläumsverein aus Kirchheim.

Große Sorgen bereitete dem Verein immer wieder das Heranbilden von jungen Musikern. Neben bewährten Kräften widmeten sich vor allem “Vater” Ignaz Lehner und Adolf Spahr voller Idealismus der Jugendausbildung. Ab 1956 wurden diese beiden von Franz und Walter Lehner sowie von Walter Gebauer unterstützt so konnte unter Leitung von Ignaz Lehner an der Winterfeier 1956 in der Turnhalle erstmals in der Musikgeschichte des Musikvereins eine Jugendgruppe auftreten.

Alljährlich wurden auf dem Festplatz am Neckar Sommerfeste abgehalten, um finanziell über die Runden zu kommen. Auch Veranstaltungen anderer Musikvereine wurden Besuche abgestattet.

Besonders stolz waren die Musiker auf ihre neuen Uniformen, auf die sie sehr lange hatten warten müssen.

1959 errang die Kapelle beim Bezirksmusikfest in Marbach in der Mittelstufe mit 109 Punkten den 1. Rang.

1962 wechselte der langjährige Nachkriegsdirigent, Herr Rauner aus Besigheim, seinen Wohnsitz und die Kirchheimer Musiker waren einige Zeit ohne Dirigenten.

1963-1985 Das 50jähriges Vereinsjubiläum

Im Frühjahr 1963 konnte Herr Kalff aus Stuttgart als Dirigent gewonnen und mit ihm vom 6. - 8.Juli 1963 das 50jährige begangen werden.Bei diesem Fest waren folgende Funktionäre im Amt:

Abteilungsleiter Friedrich Herre
Kassenprüfer Karl Beck und Karl Lutz
Stellvertreter Walter Hartmann
Schriftführer Bernhard Nollenberger
Kassier Gerhard Klepser
Jugendleitung Alfred Hofmann
Dirigent Kurt Kalff
Ehrendirigent Ludwig Bihr
Wirtschaftsprüfer Ernst Klepser
Technische Leiter Willi Lutz
Kleiderverwalter Walter Kling

13 Kapellen von Nachbarvereinen, die Abteilungen des Kultur- und Sportvereins, einige einheimische Vereine, die Festdamen unter Leitung von Erich Spahr und ein Festwagen mit den Gründern nahmen am Festzug am Sonntag teil. Montags wurde ein gut organisiertes Kinderfest durchgeführt.

Das Jubiläumsfest war ein großer Erfolg für den Verein und eine gute Werbung für die Volksmusik.

Bei der Generalversammlung 1965 gab Friedrich Herre sein Amt aus Altersgründen ab und wurde für seine Verdienste um den Musikverein zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Walter Kling wurde zum Vorsitzenden gewählt, konnte sein Amt aber nur einige Monate ausüben. Walter Hartmann übernahm im Juni 1965 den Vorsitz Von 1965 bis 1966 war Herr Hans Mader aus Löchgau als Dirigent tätig. Als Nachfolger kam 1967 Willi Stetter zu uns, der mit der Kapelle spürbare Fortschritte erzielen konnte.

1969 musste beim zweitägigen Vereinsausflug nach Maria-Rain bei Nesselwang Willi Stetter ins Pfrontener Krankenhaus wegen einer Blinddarmoperation zurückgelassen werden.

Am 28.März 1971 erspielte sich beim Wertungsspiel in Ludwigsburg das Blasorchester mit der Ouvertüre “ Feodora “ in der Mittelstufe einen 1. Rang mit Auszeichnung.

Gründung der Jugendkapelle

Jugendleiter Adolf Spahr, der 1966 zum neuen Jugendleiter gewählt wurde, hat zusammen mit den Jugendausbildern Ignaz Lehner, Walter Lehner, Walter Gebauer, Irmgard Lutz, Manfred Lutz, und Willi Stetter vorbildliche Arbeit in der Ausbildung von Jungmusikern geleistet.

Gemeinsam mit vier Jugendmusikern des Musikvereins Walheim gelang es 1969 die Jugendkapelle Kirchheim/N. zu gründen und der Öffentlichkeit vorzustellen.

 

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